In der Forschung und der medial konstituierten Öffentlichkeit haben Debatten um den Erwerb von Lese- und Medienkompetenz gegenwärtig einen hohen Stellenwert. Ausgehend von der bisherigen Beschäftigung mit dem Thema Lesen und Leser in Forschung und Lehre der Erlanger Buchwissenschaft – realisiert durch zahlreiche Lehrveranstaltungen, Abschlussarbeiten und die Projekttätigkeit von Abenteuer Buch – befasst sich der Profilierungsschwerpunkt mit Fragen der insbesondere schriftbasierten Mediensozialisation in theoretischer und anwendungsbezogener Perspektive. Es werden dabei Ergebnisformen konzipiert, die den spezifisch buchwissenschaftlichen Ansatz – sowohl im interdisziplinären Forschungskontext als auch im gesellschaftlichen Umfeld – offensiv in die Diskussion einbringen und darüber hinaus Lösungsvorschläge im Anwendungskontext (Leseförderung) erarbeitet. Die Idee ist, mit dem Profilierungsschwerpunkt künftige Forschungsaktivitäten, Lehrveranstaltungen und anwendungsbezogene Projektarbeit im Bereich Mediensozialisation/Leseförderung aufeinander bezogen zu planen und durchzuführen. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt dabei zunächst auf Lesesozialisationsprozessen bei Kindern und Jugendlichen; dieser Bereich ist jedoch auf Erwachsene auszudehnen. Systematisch zu berücksichtigende Rahmenbedingung ist der Einfluss der Digitalisierung auf das Mediennutzungsverhalten.
Projekte
Gegenwärtig sind folgende Forschungsprojekte in den Profilierungsschwerpunkt integriert:
Im Projekt Abenteuer Buch. Konzepte und Strategien der Leseförderung bei Kindern und Jugendlichen, das 2006 an der Erlanger Buchwissenschaft etabliert wurde, geht es neben der Erörterung verschiedener Forschungsansätze zur Lesesozialisation vor allem darum, gemeinsam mit Kooperationspartnern aus der pädagogischen Praxis Strategien der Lese- und Sprachförderung im Kindergarten- und Grundschulalter zu konzipieren und zu erproben. Das Projekt wurde im November 2008 mit dem Zukunftspreis Bildung für Kinder ausgezeichnet.
Bei der empirischen Studie Lesestoffbeschaffung und Lesestoffnutzung von Kindern und Jugendlichen wird untersucht, welchen Einfluss die Instanzen der Lesesozialisation wie Familie, Schule und Peergroup bei Kindern und Jugendlichen im Hinblick auf die Beschaffung und Nutzung verschiedener Lesestoffe haben.
Basierend auf einem systemischen Konzept, präsentiert das Handbuch Lesen das Lesen auf Makro-, Meso- und Mikroebene. Dazu werden die Ansätze und Methoden des Forschungsfelds, die Funktionen und Leistungen des Lesens in der Gesellschaft, die Institutionen wie Organisationen des Lesens sowie Lesen als Kulturtechnik dargestellt.
Mitglieder
- Prof. Dr. Kerstin Emrich
- Dr. Axel Kuhn
- Marina Mahling M. A.
- Prof. Dr. Ursula Rautenberg
- Dr. Sandra Rühr
- Dr. Volker Titel
Kontakt
Auswahl der Publikationen
- Axel Kuhn/ Sandra Rühr: Stand der Lese- und Leserforschung – eine kritische Analyse. In: Rautenberg, Ursula (Hrsg.): Buchwissenschaft in Deutschland. Band 1: Theorie und Forschung. Berlin / New York 2010, S. 535–602.
- Marina Mahling: Lesestoffe im Deutschunterricht, Privatlektüre und Lesemotivation von Schülern der gymnasialen Oberstufe. Erlangen 2010.
- Sonja Peschutter: Textbasierte Digitalmedien und Förderung der Lesekompetenz im Primarbereich – Wissenschaft, Bildungspolitik und schulische Praxis im Vergleich. Erlangen 2010.
- Stefan Salamonsberger / Normann Stricker / Volker Titel (Hrsg.): Leseförderung im Kindergarten- und Grundschulalter. Wissenschaftlicher Diskurs und praktische Initiativen. Erlangen 2009.
- Volker Titel: Kein Ende des Buches in Sicht. Vom Schicksal der Lese- und Buchkultur. In: Stiftung Lesen (Hrsg.): Lesen in Deutschland 2008. Mainz 2009, S. 72–78.
